
Bin ich so?
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Wenn Schutzstrategien zur Persönlichkeit werden.
Vielleicht kennst du dich nur noch auf diese Art:
Du bist schnell gereizt.
Dir fehlt die Geduld.
Du ziehst dich häufiger zurück.
Du hast weniger Energie.
Mit der Zeit kann sich all das wie ein Teil deiner Persönlichkeit anfühlen.
Doch was, wenn das nicht zu deinem eigentlichen Wesen gehört, sondern eine kluge Anpassung deines Nervensystems ist?
Vielleicht hast du gelernt, stark zu sein. Dich anzupassen. Gefühle zurückzuhalten. Für andere da zu sein. Alles im Griff zu haben. Einfach weiterzumachen.
Was sich heute wie deine Persönlichkeit anfühlt, könnte ursprünglich eine Strategie gewesen sein, mit Belastung umzugehen.

Direkt zum Thema
Warum fühlt es sich wie meine Persönlichkeit an?
Unser Nervensystem ist erstaunlich anpassungsfähig. Seine Reaktionen zeigen sich nicht nur im Gehirn, sondern im ganzen Körper – unter anderem in unserer Atmung, Muskelspannung, Haltung und im Fasziensystem.
Wenn wir über längere Zeit unter Stress stehen oder emotionale Belastungen erleben, die in dem Moment oder der Lebensphase keinen Raum finden, gefühlt, ausgedrückt oder verarbeitet zu werden, sucht unser gesamtes System nach Möglichkeiten, damit umzugehen.
Diese Anpassung ist zunächst etwas Sinnvolles. Sie hilft uns, schwierige Situationen zu bewältigen und handlungsfähig zu bleiben. Doch je länger dieser Zustand anhält, desto vertrauter wird er. Was zunächst eine hilfreiche Anpassung war, wird mit der Zeit zur Gewohnheit. Und was lange genug zur Gewohnheit wird, beginnt sich irgendwann wie ein Teil unserer Persönlichkeit anzufühlen.
Vielleicht denken wir:
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So bin ich eben.
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Ich war schon immer so.
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Ich brauche einfach Kontrolle.
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Ich bin einfach kein emotionaler Mensch.
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Entspannen fällt mir grundsätzlich schwer.
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Ich funktioniere eben besser, als dass ich fühle.
Manches davon mag zu deiner Persönlichkeit gehören. Doch manches könnte auch eine kluge Anpassung deines Nervensystems an Erfahrungen sein, in denen Durchhalten wichtiger war als Lebendigkeit oder authentischer Ausdruck der Gefühle.

Warum der Körper sich erinnert

Nicht alles, was wir erleben, verarbeiten wir sofort.
Manche Erfahrungen können in dem Moment, in dem sie entstehen, nicht vollständig gefühlt, ausgedrückt oder verarbeitet werden. Unser Nervensystem sucht dann nach Möglichkeiten, uns zu schützen – auch um handlungsfähig zu bleiben.
Diese Schutzreaktionen zeigen sich nicht nur in unseren Gedanken.
Sie können sich auch in unserer Atmung, Muskelspannung, Körperhaltung und im Fasziensystem ausdrücken.
Schon der Arzt und Psychoanalytiker Wilhelm Reich beschrieb, dass emotionale Erfahrungen nicht nur im Denken, sondern auch im Körper sichtbar werden können. Er prägte dafür den Begriff des Körperpanzers.
Heute greifen moderne Erkenntnisse aus der Neurobiologie, der Faszienforschung und der Traumaforschung diesen Gedanken aus einer neuen Perspektive auf. Sie zeigen, dass unser Körper Erfahrungen nicht einfach "vergisst", sondern dass sich Belastungen unter anderem in wiederkehrenden Spannungsmustern, Atemgewohnheiten und automatischen Schutzreaktionen ausdrücken können.
Deshalb reicht reines Verstehen in diesen Fällen, in der Regel nicht aus.
Wir können genau wissen, warum wir so reagieren.
Und trotzdem reagiert unser Körper immer wieder auf dieselbe Weise.
Erst wenn wir den Körper in diesen Prozess mit einbeziehen, entsteht häufig die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen.
Nicht gegen den Körper.
Sondern gemeinsam mit ihm.
Was dein Körper einmal gelernt hat, lässt sich nicht durch Nachdenken allein verändern – aber durch neue Erfahrungen kann er lernen, dass heute etwas anderes ist.
Die blinden Flecken der Überlastung
Lang anhaltende Belastung verändert uns selten von heute auf morgen. Die Veränderung schleicht sich ein. Oft unbemerkt. Gerade deshalb erkennen wir viele Veränderungen zunächst nicht.
Unser Gehirn macht etwas sehr Kluges:
Alles, was lange genug anhält, beginnt sich normal anzufühlen.
Was gestern noch ungewohnt war, kann sich übermorgen schon normal anfühlen.
Und irgendwann hinterfragen wir unsere Reaktionen nicht mehr.
Vielleicht halten wir sie sogar für einen Teil unserer Identität – unseres eigentlichen Seins.
Dabei erzählen sie eigentlich eine andere Geschichte.
Die Geschichte eines Nervensystems, das über viele Jahre alles dafür getan hat, mit Belastungen zurechtzukommen.

Nicht alles, was sich vertraut anfühlt, gehört zu deinem Wesen.
Manches ist die Geschichte deines Nervensystems.

Was kann helfen?
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Der erste Schritt besteht nicht sofort darin, etwas zu verändern.
Sondern darin, uns zu verstehen.
Wenn wir erkennen, dass unser Körper und unser Nervensystem diese Reaktionen entwickelt haben, um uns durch schwierige Situationen zu bringen, verändert sich häufig etwas Entscheidendes.
Wir hören auf, uns dafür zu verurteilen. Statt unsere Reaktionen als Schwäche oder persönliches Versagen zu bewerten, können wir beginnen, sie als das zu sehen, was sie ursprünglich waren:
Kluge Schutzstrategien.
Sie haben dir geholfen, weiterzumachen. Dafür dürfen sie auch heute noch mit Wertschätzung betrachtet werden. Sie haben dich geschützt und unterstützt.
Raum für Veränderung entsteht, wenn wir aufhören, uns selbst oder unseren Körper abzulehnen, und stattdessen Mitgefühl für uns und die Erfahrungen entwickeln, die uns geprägt haben.
Veränderung bedeutet deshalb nicht, gegen den Körper zu arbeiten, sondern gemeinsam mit ihm.
Veränderung beginnt oft dort, wo wir nach und nach lernen,
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langsamer zu werden,
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unseren Körper wahrzunehmen,
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unsere Atmung zu beobachten,
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Gefühle zu erforschen, statt sie zu bewerten,
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und unserem Nervensystem immer wieder Erfahrungen von Sicherheit zu ermöglichen.
Viele Menschen erleben dabei etwas Überraschendes.
Sie werden nicht zu einem anderen Menschen. Sie entdecken vielmehr Seiten von sich wieder, die lange unter den Schutzstrategien verborgen waren. Körperorientierte Methoden wie Biodynamic Breathwork können diesen Prozess unterstützen. Nicht, weil sie etwas "wegmachen", sondern weil sie einen Raum schaffen, in dem das Nervensystem allmählich wieder erkennen darf:
Heute ist es anders als damals.
Vielleicht fragst du dich …
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Warum reagiert mein Körper noch so, obwohl ich weiß, dass heute alles anders ist?
Ein Teil unseres Gehirns erkennt, dass eine belastende Situation vorbei ist. Für andere Teile des Gehirns und das Nervensystem braucht es einen anderen Ansatz. Das Nervensystem (wie auch das Stammhirn) orientiert sich nicht nur an Gedanken, sondern vor allem an Erfahrungen. Deshalb reagieren wir auf eine bestimmte Weise, obwohl wir längst wissen, dass die Umweltbedingungen anders sind. Genau hier können neue "körperliche" Erfahrungen einen Unterschied machen.
Woher weiß ich, was wirklich zu meiner Persönlichkeit gehört?
Das lässt sich oft nicht eindeutig trennen. Unsere Persönlichkeit, unsere Erfahrungen und unser Nervensystem beeinflussen sich gegenseitig. Manche Verhaltensweisen gehören tatsächlich zu unserem Wesen. Andere entstehen als Schutzstrategien in belastenden Situationen. Der erste Schritt besteht nicht darin, sie zu bewerten, sondern sie neugierig wahrzunehmen.
Warum merke ich das erst so spät?
Weil sich diese Veränderungen meist langsam entwickeln. Unser Nervensystem passt sich Schritt für Schritt an. Was anfangs eine hilfreiche Reaktion war, fühlt sich mit der Zeit selbstverständlich an. Genau deshalb bleiben viele Schutzstrategien lange unbemerkt.
Kann ich solche Schutzmuster einfach loswerden?
Meist geht es nicht darum, Schutzmuster zu bekämpfen oder loszuwerden. Sie haben dir einmal geholfen und hatten einen guten Grund. Veränderung beginnt häufig dort, wo dein Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit machen darf. Dann können sich alte Muster nach und nach verändern – oft ganz ohne Kampf.
Kann ich wieder "ich selbst" werden?
Ja. Und und es geht nicht darum, jemand zu werden. Sondern den Kontakt zu dir wiederzufinden. Auch deine Schutzstrategien gehören zu deiner Geschichte und spielen eine wichtige Rolle in deinem Leben.
Gleichzeitig ist unser Nervensystem ein Leben lang lern- und anpassungsfähig.
Wenn es neue Erfahrungen von Sicherheit machen darf, können sich alte Muster nach und nach verändern. Nicht, weil ein neuer Mensch aus dir wird, sondern weil du mehr Möglichkeiten entwickelst, auf das Leben zu reagieren ohne dich – scheinbar – zu verlieren.
Viele Menschen erleben diesen Weg als ein Gefühl von mehr Lebendigkeit, innerer Freiheit und Verbundenheit mit sich selbst. Ein Ankommen in der eigenen Mitte.
Was du aus diesem Artikel mitnehmen kannst
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Nicht alles, was sich heute wie deine Persönlichkeit anfühlt, gehört zu deinem ursprünglichen Wesen.
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Unser Nervensystem entwickelt Schutzstrategien, um Belastungen zu bewältigen.
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Viele dieser Muster entstehen schleichend und bleiben deshalb lange unbemerkt.
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Veränderung beginnt oft dort, wo wir wieder in Kontakt mit unserem Körper und unseren Gefühlen kommen.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Manchmal braucht es nur einen geschützten Raum, in dem nichts geleistet werden muss.
Einen Ort, an dem du wieder wahrnehmen darfst, was in dir lebendig ist.

Online Breathwork
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Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass manche deiner Reaktionen weniger mit deiner Persönlichkeit zu tun haben, als du bisher gedacht hast.
Vielleicht erkennst du auch, dass dein Nervensystem über lange Zeit versucht hat, dich zu schützen.
Der erste Schritt besteht darin, den Schutzstrategien mit Verständnis zu begegnen und deinem Körper neue Erfahrungen von Sicherheit zu ermöglichen.
Dafür kann Online Breathwork ein geschützter Raum sein.
Durch verbundenes Atmen, achtsame Körperwahrnehmung und eine präsente Begleitung entsteht ein Raum, in dem dein Nervensystem neue Erfahrungen machen darf. Was lange festgehalten wurde, darf wahrgenommen, gefühlt und Schritt für Schritt integriert werden. Nicht, damit du jemand anderes wirst.
Sondern damit du dich mit mehr Lebendigkeit, innerer Freiheit und Verbundenheit erleben kannst.
Wenn du diesen Weg gehen möchtest, begleite ich dich gerne.
1:1 Online Breathwork · 60 Minuten · über Zoom · individuelle Terminvereinbarung
Was die Forschung dazu sagt:
Aus der heutigen Stress-, Neuro- und Traumaforschung wissen wir, dass unser Nervensystem Erfahrungen nicht nur kognitiv verarbeitet. Belastungen können sich auch in wiederkehrenden körperlichen Reaktionsmustern, Atemgewohnheiten und Spannungszuständen ausdrücken. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass das Nervensystem ein Leben lang lern- und anpassungsfähig bleibt (Neuroplastizität). Neue Erfahrungen von Sicherheit und Regulation können dazu beitragen, dass sich automatische Schutzmuster nach und nach verändern.
Dieser Artikel orientiert sich unter anderem an Erkenntnissen der Polyvagal-Theorie, der modernen Stressforschung, der Traumaforschung sowie körperorientierter Psychotherapie.
Quellen: Stephen Porges, Bruce McEwen, Bessel van der Kolk, Peter Levine, Antonio Damasio, Robert Schleip, Wilhelm Reich.